Sächsi-Anhalt - Wir kommen früher!

Musikalische Renaissance-Satire in 19 Bildern nach Motiven des Volksbuches Till Eulenspiegel von Hermann Bote

 

 Ich bin eine Fussel am Rock der Natur

 Und hab doch das klein bisschen Leben nur.

 So will ich es Leben ob gut oder schlecht,

 Soll's andern missfallen, mir ist es recht!

 

 Mein Handwerk sind Späße, die mach' ich mit Witz.

 Noch eh' man's erwartet, schlägt's drein wie der Blitz!

 Die Leute zu äffen, das ist meine Welt.

 Auch wenn es wohl Manchem so gar nicht gefällt!

 

 Drum muss ich mich sputen, ich bin auf der Hut.

 Sonst kostet mein Spaß mich noch Leben und Gut!

 Und bin ich auch morgen schon hungrig und nackt,

 So kann ich doch tanzen viel leichter zum Takt.

 

 Heidrun von Strauch


das Stück

 

Nicht ohne Grund ist das um die Jahre 1510 – 1515 erstmalig im Druck erschienene Volksbuch innerhalb kürzester Zeit ein internationaler Bestseller geworden. Da hat sich ein „Spaßvogel“ respektlos außerhalb der herrschenden Norm bewegt, ist „über die Stränge geschlagen“, hat seine Zeitgenossen auf's Korn genommen und sie vorgeführt. Für die verängstigten Menschen der Vor-Luther-Zeit war das schon beeindruckend genug. Tatsächlich aber war er seinen Mitmenschen an Geisteskraft, Durchblick und Witz überlegen.

 

Ulenspeegel ist authentisch, 1300 in Kneitlingen (südl. von Braunschweig) geboren und 1350 in Mölln gestorben. Er war ein „Fahrender“, aber kein Berufsnarr. Seine Späße dienten in erster Linie ihm selbst und den Leuten zum Zeitvertreib, er schulte daran gewissermaßen seinen Einfallsreichtum und sie wurden teilweise von hochgestellten Persönlichkeiten reichlich belohnt. Freilich blieb davon nicht viel übrig. Immer auf der Flucht vor verärgerten Zeitgenossen und gesellschaftlichen Zwängen würden wir ihn heute als gesellschaftlichen „Aussteiger“ bezeichnen, der aber gar nicht erst „eingestiegen“ war. Die „Fahrenden“ standen außerhalb der Gesellschaft und hatten kein Anrecht auf Rechtssprechung. Sie wurden bewundert und beneidet um ihre Freiheit, die sie teuer bezahlen mussten, denn genau deshalb wurden sie ebenso gehasst und verfolgt. Sie führten zwangsläufig ein unstetes Leben, denn sie hatten kein Zuhause, wenn ihnen nicht ein Gönner eines schenkte.(Walter von der Vogelweide,“Ich hân mîn lêhen“) Seine Wanderroute führte wie die der Spielleute und Gaukler Kreuz und Quer durch Europa, Deutschland und vor allem Mitteldeutschland. Und da wir uns hier im Herzen Deutschlands befinden, im wahrsten Sinne des Wortes am Pulsschlag gewaltiger Veränderungen - was liegt näher als vorzüglich die Episoden aus Sächsi-Anhalt „auf's Korn“ zu nehmen, in loser Anlehnung zwar, aber doch ganz Heimat bezogen und wie erstaunlich, die Zeiten mögen sich geändert haben, sowohl für Herman Bote als auch für uns heute, das Verhalten der Menschen jedoch nicht! Und dennoch...wer über sich selbst lachen kann, hat noch immer gewonnen! Warum wohl hat diese Weltbewegung der Reformation ausgerechnet hier bei uns in Mitteldeutschland begonnen? Wir sind eben Sächsi - Anhalt – Wir kommen früher!

 

die beSetzung

Sächsi - Anhalt – Wir kommen früher!

Musikalische Renaissance-Satire in 19 Bildern nach Motiven des Volksbuches Till Eulenspiegel von Hermann Bote

 

Buch/Regie/Dramaturgie: Heidrun von Strauch

musikalische Leitung: Dr. Siegbert Rummel

Kostüm: Angelika Claus

Licht/Ton: Jana Krupik-Anacker

Souffleuse: Regina Ruhe

Maske: Heidrun von Strauch

Plakatmotiv: Hans-Rainer Otto Rausch

Plakatgestaltung/Druck: Holger Eggert

 

Ensemble „Cantate“ (Leipzig/Halle)

Blockflöten/ Dulcian/ Krummhörner/ Alt: Luise Rummel

Barockvioline/ Bass: Jürgen Weise

Dulcian/ Gambe/ Tenor: Dr. Siegbert Rummel

Schlagwerk/ Sopran: Heidrun von Strauch

 

Darsteller:

Till Eulenspiegel, Jugendlicher/ Mann/ Greis: Uwe Steinbrecher

 

Vater (Claus Eulenspiegel)/ 2.Greis/ Kunz (2.Honigdieb)/  2.Bauer/ Doktor der Rechte/ Rat von Mölln: Heinz Ebersbach

 

2.Bursche/ Bäckermeister/ 2.Bürger/ Bischof Bruno von Magdeburg/ Graf von Anhalt/ 3.Mann/Kirchherr von Mölln: Hans März

 

Taufpate (Till von Uetzen, Burgherr von Ampleben)/  3.Bursche/ Hinz (1.Honigdieb)/ 1.Bürger/ Tänzer/ Soldat: Fridolin Ankerholdt

 

Mutter (Ann Witcken)/ Tänzerin/ 1.Frau: Petra Schäffner

 

Amme/ Nachbarin/ die einäugige Haushälterin/ Tänzerin/  2.Frau/ eine Begine: Birgit Lantzsch

 

Abt von St.Ägidien (Arnolf Pfaffenmeier)/ 1.Greis/ ein Pfaffe/ Tänzer/ 2. Mann: Dr. Jürgen Schumann

 

1.Bursche/ Franz (Bäckerbursche)/ 1.Bauer/ Tänzer/ Schlappsack (Müller)/ Soldat/ 1.Mann: Nico Holfeld

 

Bürgerin/ Tänzerin/ Müllerin/ 3.Frau: Lisa Löwe

 

Ort: Kreuz und Quer durch Sächsi - Anhalt

Zeit: 1300 - 1350 oder 1510 oder jetzt?